Saltar al contenido
Vögel.online

Falken

Ob Körperbau oder Lebensstil, die Indizien scheinen eindeutig zu sein: Ein geschickter, tagaktiver Flieger mit Hakenschnabel und scharfen Augen, bei dem Mäuse und andere Fleischmahlzeiten auf dem Speiseplan stehen? Diese Beschreibung kling verdächtig nach einem Greifvögel.

Und tatsächlich haben Wissenschaftler Falken und Greifvögel lange in die gleiche Vogelordnung einsortiert. Dann aber stellten Molekularbiologen bei Vergleichen des Erbguts fest, dass zum Beispiel ein Wanderfalken näher mit einem Papagei oder Singvogel verwandt ist als mit einem Adler oder Bussard. Die typische Greifvogelgestalt der Falken scheint also kein Erbe eines gemeinsamen Vorfahren zu sein, sondern eine Anpassung an einen ähnlichen Lebensstil.

Daher steht die Falkenverwandtschaft inzwischen in einer eigenen Ordnung, zu der weltweit knapp 70 Arten gehören. Die größte Artenvielfalt erreicht diese Vogelgruppe in Mittel – und Südamerika sowie in Afrika. In Europa ist sie mit elf Arten vertreten, die alle zur Gattung Falco gehören.

Falkenarten

Tödliche Bisse

Die Jagdreviere von Falken liegen vor allem übrig. Haben sie erst einmal ein Opfer entdeckt, können sie es über weite Strecken verfolgen. Auch Überraschungsangriffe im Sturzflug aus größerer Höhe sind für die geschickten Flieger kein Problem.

Die Ziele dieser Attacken sind je nach Art und Lebensraum unterschiedlich. Der Rotfußfalke in Osteuropa und der Rötelfalke in Südeuropa und Zentralasien begnügen sich zum Beispiel mit eher kleinen Snacks wie Heuschrecken, Grillen, Käfern und anderen Insekten. Viele andere Arten haben es dagegen eher auf lohnendere Beute wie kleine Säugetiere, Amphibien oder Reptilien abgesehen. Auch andere Vögel fallen häufig Falkenangriffen zum Opfer.

Während Greifvögel ihre Beute oft mit den Fängen töten, verlassen sich Falken dabei ganz auf ihren Schnabel. Der ist im Vergleich zu vielen Greifvogelschnäbeln zwar relativ klein und grazil, aber keineswegs weniger gefährlich. Seine messerscharfen Kanten und die kräftigen Kiefermuskeln sorgen für einen äußerst kräftigen Biss. Verstärkt wird die Schneidewirkung noch durch je einen Zacken an jeder Seite des Oberschnabels, der genau in die entsprechende Vertiefung im Unterschnabel passt. Mit diesem “Falkenzahn” beißt der geflügelte Jäger größeren Opfern in die Halswirbelsäule, kleineren oft auch in die Schädeldecke. Ihre Krallen, die oft kürzer sind als bei Greifvögeln, benötigen die Falken hauptsächlich zum Festhalten der Beute.

Falke im Flug

Gerade für Mäusefänger brechen im Winter allerdings harte Zeiten an. Wenn sich die Beutetiere wochenlang unter einer geschlossenen Schneedecke verbergen können, bleibt der Magen häufig leer. Dann können die geflügelten Jäger entweder andere Tiere wie beispielsweise Vögel jagen. Oder sie kehren ihrem unwirlichen Brutgebiert für ein paar Monate den Rücken und fliegen in den Süden. Beide Strategien kommen nämlich bei Falken vor – manchmal sogar innerhalb der gleichen Art.

So machen sich die Nord- und Osteuropäer unter den Tumfalken jeden Herbst auf den Weg in wärmere Regionen, weil ihnen in ihrer Heimat im Winter die Nahrung zu knapp wird. Anders als andere Zugvögel sind die Tiere dabei offenbar nicht in großen Schwärmen auf festgelegten Routen unterwegs, sondern fliegen einfach in breiten Front ungefähr in Richtung Süden oder Südwesten. Finnische Exemplare zum Beispiel wurden schon in allen möglichen Regionen zwischen Portugal und Bulgarien gefunden, bayerische Vögel steuern Malta ebenso an wie Tunesien oder Spanien. Manche Turmfalken machen sich auch auf die weite Reise nach Arabien und nach Afrika südlich der Sahara.

Werden sie in ihrer Heimat das ganze Jahr hindurch satt, ersparen sich die Tiere allerdings solche anstrengenden Reisen. So bleiben nicht nur viele mittel, west, und südeuropäische Turmfalken lieber zu Hause, auch Stadtvögel sehen oft keine Notwendigkeit, den Winter anderswo zu verbringen. Auch das gilt aber nicht für alle. so haben Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Greifvogelschutz mehr als 4000 Berliner Turmfalken beringt, um ihre Reisen in die Winterquartiere verfolgen zu können. Einige davon sind in algerien, Spanien, Italien oder Frankreich wieder auf getaucht.

Auch die Wanderfalken verlassen im Winter meist das schneereiche Skandinavien und fliegen ihrer Hauptbeute, den kleinen Vögeln hinterher. Noch deutlich reiselustiger sind die europäischen Baumfalken, die von ihren Brutgebieten bis in den Süden Afrikas fliegen. Nach Mitteleuropa kommen diese Vögel meist erst im Abril zurück.

Falken Familienleben

Sobald die Zugvögel im Frühjahr wieder auftauchen, steht meist die Familien Gründung auf der Tagesordnung. Anders als viele Greifvögel bauen Falken kein eigenes Nest, sondern legen ihre Eier auf Felsbänke oder in Spalten, in die eroberten Nester anderer Arten oder einfach auf den Boden.

Die geschlüpften Jungvögel genießen zunächst eine Rundumversorgung, bei der zeitweise beide Elternteile Nahrung in die hungrigen Schnäbel stopfen. Sobald der Nachwuchs dann fliegen kann, muss er zunächst lernen, wie man selbst Beute macht. das geht bei Insektenfressern wie den Rotfußfalken ziemlich schnell. Schon nach zwei Wochen sind sie wirklich selbstständig und müssen nicht mehr von den Eltern gefüttert werden.Junge Wanderfalken dagegen können sich noch etliche Wochen nach dem ausfliegen auf elterliche Futterspenden verlassen. Wenn die Altvögel von der Jagd zurückkommen, fliegt der Nachwuchs ihnen laut bettelnd entgegen, um seinen Anteil einzufordern.

Bei Weitem nicht jeden Küken aber schafft es bis zum ersten Flug. Nahrungsmangel oder Feinde beenden so manches Falkenleben schon sehr früh. In den Niederlanden vollendet zum Beispiel nur gut die Hälfte des Turmfalken – Nachwuchses die Entwicklung vom Ei bis zum flugfähigen Junge Jungvogel. Solche Zahlen geben allerdings nur einen groben Durchschnitt an, tatsächlich schwankt der Bruterfolg von Jahr zu Jahr. Und manchmal kommen auch Küken durch, die eine höchst ungewöhnliche Kindheit hatten.